Animatics - wundervoices Podcast Folge #3

Geschrieben von Alex Jacobi am 19.02.17

Diese Woche haben wir unseren alten Freund Rainer Laws von Funky Frame Films zu Gast und unterhalten uns über Animatics. Dazu reden wir über den Kreationsprozess von TV-Werbung und die Frage, ob Marktforschung Kreativität zerstört oder erst ermöglicht. Rainer bietet sehr spannende Einblicke, da er sich zu 100% auf das Thema spezialisiert hat und für fast jede relevante Agentur und Marke gearbeitet hat.

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Für alle, die noch nie mit Animatics zu tun hatten, gibts hier eine kleine Einführung in die Thematik:

Was ist ein Animatic?

Ein Animatic ist ein animiertes Storyboard eines Konzepts für ein TV-Commercial oder Onlinewerbespot. Animatics werden meist von Illustratoren gezeichnet. Es gibt aber auch fotografierte Varianten:

  • Klassische Animatics (Illustrationen)
  • Photomatics (Fotos, die evtl. übermalt werden)
  • Digimatics (3D Animation, manchmal mit Motion Capture)
  • Ripomatics (Filmsnippets aus bestehenden Spots und Filmen)

Wie werden Animatics produziert?

In der Regel wird zuerst ein Treatment erstellt. Dieses wird häufig in Fokusgruppen qualitativ getestet. Hat ein Treatment in der Markforschung Erfolg, wird ein Storyboard gezeichnet, das einem Comic ähnlich ist. Dieses Storyboard wird dann mit VFX in der Postproduktion animiert. Der fertige animierte Film wird dann meist quantitativ in der Marktforschung getestet.

Wie wird ein Animatic vertont?

Animatics werden wie TV-Spots vertont. Für ein optimales Ergebnis sollte aber nicht wie in traditionellen Workflows erst das Bild fertig gestellt werden. Idealerweise wird die Animation auf ein Guidevoiceover produziert. Parallel dazu sollte die Musiksuche beginnen. Danach wird die Sprachaufnahme mit einem professionellen Sprecher aufgenommen und das Animatic mit SFX und Musik vertont.

Best Practice für die Animatic Vertonung

  • Bild, Ton und Kreation sollten über die gesamte Produktionszeit parallel arbeiten. Nichts kann ein Konzept so zerstören, wie ein nachträglich "draufgeklatscher" Ton, der eigentlich nicht passt. So sind einige wirklich gute Konzepte in der Marktforschung gescheitert.
  • Die Arbeit mit Guide Voices und das frühe Animieren mit Musik sorgen für flüssige und schlüssigere Filme. So kann man optimal das Storytelling mit Musik unterstützen.
  • In den seltensten Fällen macht Originalmusik Sinn. Gute Productionmusic ist heute qualitativ gleichwertig zu kommerzieller Popmusik für ein Bruchteil des Preises. Häufig kommen die Produktionen sogar von den selben Teams, wie die Chart Hits. Wenn allerdings ein wirklicher Imagetransfer vom Artist zur Marke stattfindet, kann ein kommerzieller Track Sinn machen. 
  • Bei mehrsprachigen Produktionen sollte von vorne herein eingeplant werden, dass Texte in verschiedenen Sprachen unterschiedlich lang sind. Brasilianisches Portugiesisch ist z.B. ca. 30% länger als Englisch. Die Sprachaufnahmen sollten immer mit 100% nativen Sprechern produziert werden. Akzente und Fehler in der Aussprache können einen erheblichen Einfluss auf Testergebnisse in der Marktforschung haben.

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