Von Dr. House zu Mr. Wednesday - K. Dieter Klebsch im Wundervoices Podcast

    2017-11-28 podcast Synchronsprecher

    Stimme wie ein Reibeisen und merkt sich nie die Titel seiner Filme. K. Dieter Klebsch ist Schauspieler und Synchronsprecher und vor allem ein ganz eigener Charakter.

    Der gebürtige Potsdamer ist den meisten durch seine Synchronisation von Hugh Laurie in “Dr. House” im Ohr geblieben und ist den Jüngeren als die Stimme von Mr. Wednesday der Amazon Prime Serie “American Gods” bekannt.

    Dass er auch ein begnadeter Erzähler ist, beweist er in dieser wundervoices Episode:


     

    Das erste Mal war nass

    Für ihn ging es mit der Synchronarbeit 1976 in der DDR los. Allerdings nur zögerlich, denn aufgrund seines festen Engagements am Theater war das zeitlich nicht ganz machbar. Deswegen startete Klebsch erst Anfang der 90er im Synchrongeschäft durch.

    Wie viele andere Synchronsprecher ist auch K. Dieter Klebsch in die Synchronarbeit eher hineingerutscht. Sein Glück waren die Zahnschmerzen eines anderen. Der erste Besuch in einem Studio im westlichen Berlin war sehr prägend für ihn.


    „Damals hatte ich noch die stark ausgeprägte Neigung sehr schnell zu erröten. Ich war zwar schon über 40. Aber ich musste nur daran denken, dass ich gleich irgendwann rot werden könnte - da wurde ich schon rot. Und sie guckte mich an “Können Sie heute?” “Wie?” “Ja, heute. Wir hätten jetzt eine Schicht, die beginnt um 14 Uhr und der Kollege, der die Hauptrolle in einem kleinen französischen Fernsehfilmchen spielen sollte - der hat gerade angerufen. Der kann nicht.”

    Adrenalin, Unsicherheit und die viele Technik verursachten Schweißströme. Der Schweiß tropfte ihm von der Nasenspitze auf den Text und sein Hemd klebte nur noch an ihm. Zwanzig bis dreißig Versuche liefen durch ohne eine einzige erfolgreiche Aufnahme. Aber mit der Übung kommt Routine und mit Routine die Professionalität. Und so rutschte Klebsch immer tiefer in die Welt der Synchronisation.

    Dr. Klebsch

    Mittlerweile gehört Klebsch fest zum Synchronelite - zu den Top-Sprechern in Deutschland. Für viele ist seine Stimme fest verbunden mit der Serie “Dr. House”, die acht Staffeln lang im Privatfernsehen zu sehen war. Dabei war es für Klebsch letztendlich eine Überraschung, dass die Serie es überhaupt über Staffel eins hinaus geschafft hatte. An den Erfolg einer weiteren Arztserie Anfang der 2000er glaubte er nicht:


    „Der Sendetermin war noch weit entfernt. Aber ich sagte “Oh man Kinder”. Also ich hatte die Kenntnisse nur aus meiner TV-Zeitschrift. Wir reden jetzt über 2003 oder 2004. Es gab da diverse Arztserien auf den verschiedenen Sendern. Und ich sagte dann: “Och man ey, noch so eine Arztserie”. Da sagten der Toningenieur und der Regisseur “Dieter, Dieter, Dieter warte ab” Ich sagte “Das guckt keine Sau. Das Klientel für Arztserien ist vergeben.”

    Recht behielt er nicht. Das war sein Glück und nun ist er froh, dass es so gut gelaufen ist. Denn er ist fest davon überzeugt, dass ihm dieser Job viele weitere Aufträge eingebracht hat. Zumindest sind immer wieder Regisseure auf ihn zugekommen, weil sie ihn und keinen anderen für die Rollen haben wollten.

    Synchronisiert oder lieber original?

    Original oder lieber synchronisiert? Das Dauerstreitthema unter allen Serienliebhabern und Cineasten. Auch für Synchronsprecher wie Dieter Klebsch ist das keine einfache Frage.


    „Wenn man einen Film im deutschsprachigen Raum verstrahlen will, dann finde ich eine gute Synchronisation schon sehr wichtig, sehr wesentlich. Und es kommt vor, dass es mitunter - selten - ein Gewinn ist.”

    Dennoch findet er, dass es manchmal eine Schande ist diese oder jene Passage zu übersetzen. Denn oftmals gehen Dialekt und Slang in den Übersetzungen verloren und somit auch ein Großteil der Rolle, der Charaktere und der Milieuabgrenzung, die für die Entwicklung des Films überaus wichtig ist. Eine Hassliebe zum eigenen Beruf.

    Die eigene Stimme im Kino

    Klebsch merkt sich nichts. Keine Filmtitel. Keine Schauspielernamen. Keine Jahreszeiten. So kann es auch mal passieren, dass er im “eigenen” Film landet. Nach einem interessanten Zeitungsartikel über die Coen-Brüder vor einigen Jahren beschloss Klebsch mit seiner Frau ins Kino zu gehen. Nach der Anfangsszene graute es ihm schon: das kommt ihm bekannt vor.


    „Der Film beginnt. Weite. Jetzt könnte es sein, dass da einer ins Bild kommt und da ist er auch schon. Und jetzt kniet er sich hin, zielt, schießt und sagt “Scheisse”. In dem Augenblick sagt er “Scheisse” mit meiner Stimme.”

    Und so schallt ihm seine eigene Stimme aus dem Lautsprecher entgegen. Er hatte sich den Titel des Films, bei dem er mitwirkte, schlichtweg mal wieder nicht gemerkt. Diese Geschichte verdeutlicht vor allem mit welcher Gelassenheit Klebsch mit seinem Job umgeht. Für ihn ist es ein Job, den er gerne macht, aber nicht vollkommen sein Leben bestimmt und einnimmt.

    “KAUF DIESES PRODUKT!” - Brüllwerbung nicht mit Klebsch

    Zu seinem Job gehört es auch hin und wieder Werbung zu sprechen - ob für Fernsehen oder Radio. Klebsch zeigt sich hier aber hingegen seiner Synchronrollen als sehr wählerisch. Denn “Brüllwerbung” will er nicht machen. So bezeichnet er Werbung, die Emotionen mit einem Vorschlaghammer verteilt. Und wenn ihm der Text mal nicht passt und er unmöglich geschrieben wurde, zitiert er auch schon mal den Autoren ins Atelier. Besonders, wenn zu viel Text in zu wenigen Sekunden gesprochen werden soll.


    „Ist der da? Das habe ich auch schon einmal gemacht. Da kam von hinten “Ja, ich bin hier” “Ja dann kommen Sie mal nach vorne.” So und Achtung, da habe ich mein Handy genommen. “Ich zähle von drei runter und bei Null gehts los für Sie. Okay? 3,2,1” Nach drei Sekunden war klar. Er hat es gegengelesen, aber nicht gegengehört.”

    K. Dieter Klebsch wird weiterhin Werbung sprechen. Aber jeder, der mit ihm zusammenarbeitet, muss mit einem Künstler mit Charakter rechnen. Seine Leidenschaft wird aber weiterhin der Schauspielerei und der Synchronarbeit gehören.

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