Die wirklich beeindruckende Karriere von Joachim Kerzel [PODCAST]

    2017-11-21 Synchronsprecher Sprecher podcast

    Joachim Kerzel, vor allem als die Stimme von Jack Nicholson und Anthony Hopkins bekannt, ist einer der bekanntesten Synchronsprecher Deutschlands. Im Sommer haben wir ihn getroffen und mit ihm für unseren Podcast ein Interview über sein Leben als Synchronsprecher geführt.




    Das Schauspiel als Handwerk

    Bevor Joachim Kerzel erstmals zum Mikrofon griff, fing er seine Karriere als Synchronsprecher mit einer Ausbildung an den Schauspielschulen in Hannover und Hildesheim an. Anschließend spielte er neun Jahre lang am Schillertheater in Berlin, wo er allerdings viel Pech hatte, denn oft wurden seine viel erprobten Aufführungen durch äußere Einflüsse nicht aufgeführt. Joachim Kerzel wollte sich nicht ausbremsen lassen und ging deshalb zum Boulevardtheater am Kurfürstendamm und blieb dort zehn Jahre lang. Seine Zeit am Boulevardtheater beschreibt Herr Kerzel sowohl als sehr schöne, als auch ernste Zeit, da das Publikum keine Fehler verzieh: 


    „Es waren 40 Leute da es hat keinen Menschen interessiert und man musste immer gucken sind die noch da oder sind sie schon alle weggelaufen - furchtbar. Im Boulevardtheater, in der Komödie da gibt es Lacher und wenn du die Pointe versaust, wenn du die nicht richtig setzt, kommt kein Lacher und danach wird ungefähr bewertet, von deinem Chef der dich beschäftigt, ob du wert bist dass du kommst, denn die Leute zahlen auch dafür Eintritt, dass sie die guten Pointen gut geliefert bekommen - also ich fand das ein ehrliches Handwerk beim Boulevardtheater.”

    Schluss mit dem Theater

    Genug Theater gespielt, genug von Flatow, arbeitete Joachim Kerzel zunächst als Freelancer und fokussierte sich auf die Synchronisierung. Schließlich fing er an erste Filme zu drehen, wo er auch gute Rollen besetzte - die Routine jedoch fehlte.


    „Als ich nach längeren Jahren wieder mal gedreht habe, da habe ich solch einen Bammel gehabt. Ich hatte keine Routine und eine lange Kamerafahrt und 20 Leute um mich herum und neben mir ein versierter Kollege. Und die Kamerafahrt noch eine Kurve und noch eine Kurve und die kommt auf mich zu und ich habe kurz vor Schluss einen Hänger. Ich habe mich so geschämt. Der Regisseur sagte: Alles auf Anfang. Ich bin im Boden versunken und habe mir geschworen nie wieder zu drehen.”

    Das Schauspielen vermisste Joachim Kerzel aber nicht und so setzte er seine Karriere im Synchrongewerbe fort. Angefangen mit vielen kleinen Rollen, erhielt er später seine erste größere Rolle in “Hart aber herzlich” mit Robert Wagner, den er auch heute noch spricht. Dabei gesteht Joachim Kerzel ein, dass seine Rollen nicht immer sein eigener Verdienst gewesen waren: Auch der Zufall hat ihm in einigen Fällen in die Hände gespielt und zu guten Rollen verholfen. Dadurch wurde er die deutsche Stimme von Dennis Hopper, Harvey Keitel und Robert de Niro.

    Joachim Kerzel als deutscher Anthony Hopkins

    Für viele Menschen im deutschsprachigen Raum steht hinter der Stimme von Joachim Kerzel Anthony Hopkins Gesicht. Joachim Kerzel gibt zu, dass Anthony Hopkins sein Lieblingssprecher ist, auch wenn er ihn nicht durchgängig gesprochen hat.


    „Es ist so ein wunderbarer Schauspieler, ich liebe ihn über alle Maßen und eigentlich säge ich jedesmal an dem Ast auf dem ich sitze und sage den müsste man im Original lassen. Das ist so genial wie der spricht, hinter jedem Wort höre ich eine Melodie, eine Welt sehe ich da. Man muss da richtig Klimmzüge machen, um den einigermaßen zu treffen. Und seitdem spreche ich den Anthony Hopkins auch.”

    Joachim Kerzel sieht es als seine Aufgabe bei der Synchronisation sich den jeweiligen Charakteren zu nähern, wodurch sich auch die Modulation seiner Stimmlage ändert und der des Schauspielers anpasst. Auch wenn Rolle und Synchronsprecher sehr verschiedene Charaktere sind, macht es ihm Spaß in verschiedenen Rollen zu sein. Eine Ausnahme gibt es jedoch - und zwar bei der Synchronisation von Jack Nicholson.


    „Auf den Wecker ging er mir gleich am Anfang als Joker in Batman. Da hatte ich eine Hassliebe zu ihm gehabt. Der hängt den Affen raus - das ist ja furchtbar, das ist ja unmöglich. Aber es hat mir natürlich Spaß gemacht, das zu schaffen, es wiederzugeben in seinem Sinne.”

    Joachim Kerzels größte Herausforderung war eine seiner Rollen als Anthony Hopkins, in der er so schnell sprechen musste, dass er nicht begriff was er eigentlich sagte. Gerade das Begreifen ist eine wichtige Voraussetzung für ihn als Synchronsprecher, damit die Stimme dem Gesagten angepasst werden kann und der Synchrontext mit dem Film vereint wird. Die größten Einflussfaktoren auf eine gute Synchronisation sieht er daher in einem guten Synchronbuch und einer Regie mit Sprechererfahrung.

    Erst sprechen, dann denken

    Joachim Kerzels größte Herausforderung war eine seiner Rollen als Anthony Hopkins, in der er so schnell sprechen musste, dass er nicht begriff was er eigentlich sagte. Gerade das Begreifen ist eine wichtige Voraussetzung für ihn als Synchronsprecher, damit die Stimme dem Gesagten angepasst werden kann und der Synchrontext mit dem Film vereint wird. Die größten Einflussfaktoren auf eine gute Synchronisation sieht er daher in einem guten Synchronbuch und einer Regie mit Sprechererfahrung.


    „Das hat einen großen Einfluss - die richtige Regie, die fürsorgliche, genaue, strenge aber auch für den Sprecher verständnisvolle Regie.”

    Als Beispiel dafür empfindet Joachim Kerzel die Synchronisierung der amerikanischen Fernsehserie Westworld, in der er auf das ein oder andere Wort auch mal verzichten konnte.


    „Da war es auch so der Fall, dass ich mich wohlgefühlt habe mit dem Buch und das Buch hatte auch der Regisseur geschrieben. Der sagte, dass er nicht darauf besteht und sagte: Das können sie weglassen. Manche bestehen ja dann darauf wie auf die Bibel.”

    Synchronisation ist kein Kinderspiel

    Joachim Kerzel weiß das Handwerk der Synchronisation zu schätzen: Synchronsprecher wird man nicht über Nacht. Harte Arbeit und Ehrgeiz sind nicht die einzigen Faktoren, die einen guten Synchronsprecher ausmachen. Zukünftigen Synchronsprechern empfiehlt er daher musikalisches Gespür, gute Sprachfähigkeiten, Belesenheit und Interesse für Film und Rollen, um gegen die große Konkurrenz zu bestehen und sich den schwierigen Weg nach vorne zu kämpfen.

    Das Synchrongewerbe hat durch die Vielzahl von Hörbüchern und neuer Filme einen Aufschwung genommen. Der Qualitätsbegriff wird neu interpretiert und immer mehr entprofessionalisierte Aufnahmen erhalten Einzug in die Welt der Stimmen. Es gibt viele Anwärter als Synchronsprecher, die ihre Stimmen zu Dumpingpreisen anbieten, doch nur wenige setzen sich durch. Joachim Kerzel hält am ursprünglichen Qualitätsbegriff fest und setzt auf eine solide und umfassende Ausbildung als Sprecher.

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